Als wir im Herbst 1987 jenes Stück Land auf dem hügeligen Westabhang der Valdichiana vor dem kleinen Thermalort Chianciano Terme fanden, wussten wir nichts von den Reben und wie man den Wein macht. Wir lebten seit 1981 als Bienenzüchter in der südlichen Toskana herum.

Das Geschick wollte, dass ein erfahrener älterer Mann der vorhergehenden Verwaltung, Agostino Ciuchi, mit uns weiterarbeitete und unter seiner Führung und mit Neugierde und Wissenslust haben wir gelernt uns um den Weinberg zu kümmern.

Wenig Dünger in den ersten Jahren, seit 1993 bekommt der alte Weinberg keinerlei Düngung mehr. Und die Trauben wurden besser. Seit 1990 halten wir eine Dauerbegrünung von spontanen Gräsern, lassen des Gras auswachsen, zur Samenreife gelangen, dann verdorrt es von selbst in den heißen Toskanasommern.

Auf die mageren Parzellen breiten wir Heu oder Stroh als Mulchdecke. Die Kupferanwendung beschränkt sich auf 75 - 120 g Reinkupfern pro Hektar und Spritzung.
Der Stäubeschwefel erfüllt ausgezeichnet seine Aufgabe gegen Mehltau.

Der alte Weinberg aus dem Jahr 1968 besteht aus der typischen Chiantirebenmischung der damaligen Zeit: Sangiovese, Canaiolo, rote und weiße Malvasia, Trebbiano und ein wenig Grechetto-Pulcinculo genannt-einige Reben von Mammolo, Foglia Tonda, Ciliegiolo und bedeckt eine Fläche von 3,5 ha.

Im neuen Weinberg, gepflanzt von 1999 bis 2001 stehen hauptsächlich Sangiovese, weiters ein wenig Merlot, Syrah, Ciliegiolo, Foglia Tonda, Mazzese und Malvasia nera.

Die reifen Trauben werden sorgfältig handgelesen, in kleinen Kisten eingefahren, und vor der Entrebelung nochmals überprüft. Kurze Zeitspannen zwichen der Lese und dem Einmaischen in den Fässern, höchstens 30 Minuten, ermöglichen einen sorglosen Gärbeginn in handlichen Stahlfässern.
Die Gärdauer liegt je nach Jahrgang und Traubenqualität zwischen 10 Tagen und 4 Wochen.

Alle Sinne sind auf dem Most gerichtet:

das Ohr, an die Fässer gedrängt nimmt am Rauschen die Intensität der Gärung wahr,

die Nase spürt nach der Aromenvielfalt,

dei Hände erkunden die Wärme,

der Gaumen den Geschmach und die Richtung der Vewandlungen.

Wir folgen der einfachen Regel dass die hohe Kunst des Weinmachens jene ist, den Trauben das Überschüssige abzunehmen. Mehrmals wird abgezogen und der Leger entfernt und so helfen wir unseren Gärmosten zum geheimnisvollen und ausserordentlichen Stoff Wein.

Die Weine gehen dann in die ruhigere Phase der Reifung in Hölzer verschiedener Grösse und Ausführung.
Für die leichteren Weine grössere Fässer für kürzere Zeiträume.
Für die kräftigere kleinere Fässer für längere Zeit.

Auf weiteren 4 ha pflanzten wir 1991 Obstbäume: Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Birnen und vor allem Äpfel. In der Sortenwahl haben wir vorallererst den Geschmack berücksichtigt, dann die Rustikalität und die Widerstandsfähigkeit gegen die häufigsten Pilzkrankheiten.
Von der alten Apfelsorte Annurca bis zur neueren Goldrush, von der Cosciamonacapflaume bis zur Stanley, um nur einige zu nennen. Wir pflegen ca 1000 Olivenbäume, 2/3 davon Jungbäume, auf 3 Hektar.

Das Öl ist ebensogut, wie es wenig ist.

Die vielen Vögel,die sich an unseren Früchten ernähren, finden Schatten und Zuflucht in den 8 ha unseres Waldes, den wir in unseren Plänen aus einem veralteten Brennholzwald in einen "essbaren Wald"verwandeln möchten.

...Und dann sind noch wir,
Nomaden im Herzen, in der Tat Hüter eines Stück Toskanerlandes,
fremd genug um nicht vorweggenommen zu sein,
ausgewandert aus einem Zeitalter und einer Zivilisation, wo alles in Ware verwandelt wird, auch das Wissen.

Unser Einsatz ist also, uns jene polytechnischen Fähigkeiten anzueignen, die das Leben der Bauern in jedem Land, und ich möchte sagen in jedem Zeitalter geprägt haben, um sie so vor dem Vergessen zu bewahren und den künftigen Generationen weiterzugeben.

Ein weiterer Strohhalm, an dem man sich bei der Überquerung des Regenbogens der Geschichte festhalten kann.


Paola e Walter